10
auch in ihrem eigenen Buſen jene Vorurtheile der blinden Achtung vor dem Beſtehenden unterdrückt haben, die uns durch unſere Erziehung und durch die Geſchichte von Jahrtauſenden eingepflanzt wor⸗ den ſind. O, erzählen Sie mir von jenen Män⸗ nern! Sie haben Mirabeau ſicher gekannt. Haben Sie Vergniaud gehört? Was wird das Schickſal der Girondins ſein? Iſt Danton größer oder Ro⸗ bespierre?“ „Sie ſind nicht ſparſam mit ihren Fragen,“ ſagte Madame Raimond,„und es ſcheint die Ent⸗ fernung habe in der moraliſchen Welt gerade die entgegengeſetzten Wirkungen von jenen in der phy⸗ ſiſchen, ſie vergrößert und verklärt ſtatt zu verklei⸗ nern und zu umdüſtern. Darum verzeihe ich es Ihnen auch, daß Sie glauben, ich habe Mirabeau gekannt. Seine Beredtſamkeit kennen Sie wohl, aber nicht ſeinen Ruf, er war nur im politiſchen Leben groß; er liebte und achtete das Volk, aber er verachtete jedes Individuum; er ſprach von Tu⸗ gend; doch er glanbte nicht an ſie, und die Leiden⸗ ſchaften, die er heraufbeſchwor, waren für ihn bloß Zeitvertreib. Aber er war ein glücklicher Mann,


