Teil eines Werkes 
2. Band (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

nichts gethan habe, als was ſeine Amtspflicht ihm gebot. Doch eine innere Stimme rief ihm dann wieder zu, das junge Mädchen habe trotz der Auf⸗ regung, in der ſie war, ihm eine Lehre gegeben, die ihm ſelbſt hätte einfallen ſollen, ſie habe nicht Unrecht gehabt, als ſie ihm ſagte, ein Ehren⸗ mann nehme kein Amt an, in dem er gezwungen werden kann, ſeiner Ueberzeugung zuwider zu han⸗ deln. Freilich war er ſeit ſeiner Jugend mit dem Gedanken auferzogen worden, ſeine Beſtimmung ſei Regierungsbeamter zu werden. Seine Mutter, die Wittwe eines Kammerrathes, die Couſine des Causarum Regalium Magister, hatte es ihm häufig erzählt, ſie kenne keine anſtändigere Stellung, als die eines Beamten, man erfülle ſeine Pflicht gegen das Vaterland und ſichere ſich ſelbſt eine Stellung in der Welt. Wer anders als ein Be⸗ amter könne auf ein regelmäßiges Einkommen mit Sicherheit zählen? Es hängt dies ja weder von politiſchen Conjuncturen, noch von der Fruchtbar⸗ keit des Jahres ab; kaufmänniſche Criſen berühren den Beamten nicht, und wenn er fleißig ſeine Pflichten erfüllt und lange lebt, ſo kann es ihm