Teil eines Werkes 
2. Band (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

26„

hinter ihr, die Geſtalt ſteht einen Augenblick ſtill, wendet den Kopf bedachtſam nach allen Seiten—

und jetzt, als hätte ſie mich erblickt, gleitet ſie quer

durch den Hof, gerade auf mich zu und verſchwindet ſpurlos im Innern des Hauſes.

Noch heutigen Tages weiß ich nicht, wie ich damals eigentlich von der Treppe weg und in mein Bette zurüͤckgekommen bin. Ich war nicht eigentlich abergläubiſch: aber wo wäre das zwölfjährige Mäd⸗ chen, deſſen Nerven einem ſolchen entſetzlichen Schau⸗ ſpiel gewachſen wären? Vergeblich ſuchte ich mich ſelbſt zur Ruhe zu ſprechen, vergeblich überredete ich mich, das Ganze ſei nur ein Schreckbild meiner erreg⸗ ten Phantaſie oder irgend ein Lichtreflex geweſen, der mich auf ſo wunderbare Weiſe getäuſcht hatte: mein

Blut war ſelten ruhiger als es gerade in jenem Au⸗

genblick geweſen war, auch brannte weit und breit kein Licht, nur der Mond ſtand klar und hell am Himmel und vergebens ſuchte ich eine Möglichkeit auszufinden, wie ſein milder ſtiller Glanz elnen ſo ſeltſamen Spuk hätte hervorbringen ſollen. O dieſe Nacht war ja wirklich zu einer Folterbank für mich beſtimmt! Bis an den lichten Morgen lag ich und beſtürmte mein armes fieberheißes Gehirn vergeblich um Aufklärung eines ſo unerhörten Abenteners;—