Teil eines Werkes 
1. Band (1860)
Entstehung
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nadeln auf die gleichfalls beeisten Wipfel der Bäume nieder. Schwere Wolkenmaſſen, welche gegen Süden und

Oſten heraufzogen, und bis in den Zenith reichten, ver⸗

dunkelten immer dichter den Horizont, aber nicht ſchwarz wie Gewitterwolken, ſondern weißgrau wie ſchwere Ne⸗ belmaſſen; denn einer der furchtbarſten Schneeſtürme des hohen Nordens war im Anzuge.

Die Sonne, welche an dieſem Tage ohnedies nur wie ein blutrother Ball, ohne Licht und Wärme am Himmel gehangen hatte, neigte ſich dem Untergange zu, ſchauerlich brauſte der Hochwald, ferne ertönte das Rau⸗ ſchen eines Stromes; weiße Füchſe und braune Zobel ſchoßen durch den Forſt in ihre Höhlen hinab, und das ferne Geheul der Wölfe verſtummte allmälig; denn ſelbſt das Gethier des Waldes flüchtete inſtinktmäßig in ſeine Verſtecke. Jetzt wurde Alles eine dunkle dichte Maſſe, welche der brauſende Wirbelwind erfaßte und im Kreiſe drehte. Dann nahm die Rieſenwolke nach oben eine mehr gelbliche Färbung an, ſie endete im Zenith in Haufen Wolken mit ſcharf abgegrenztem hellleuchtenden Rande, am weſtlichen Himmel flogen größere tiefhängende Dunſt⸗ maſſen pfeilſchnell mit dem ſich jetzt erhebenden Sturm⸗ winde aus Nordoſt daher.

Jetzt ſenkte ſich die graue Rieſenwolke gänzlich auf das Gebirge, der letzte matte Sonnenblick erloſch