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„Rußland!— ja dieſes Rußland!“ fuhr jetzt der Kaiſer auf;„welcher Staatsmann kann unbeſorgt blei⸗ ben, wenn er die Erwerbungen betrachtet, welche Rußland ſeit einem halben Jahrhunderte machte? Bei der Thei⸗ lung Polens ſind ihm zwei Drittheile zugefallen, es be⸗ ſitzt die Krim und hat ſich an den Ufern des Bosporus feſtgeſetzt, es breitet ſich in Georgien aus, rückt gegen Perſien vor, hält die joniſchen Inſeln beſetzt, bewaffnet insgeheim Morea und beſchleunigt durch ſeinen Einfluß und ſeine Intriguen die Auflöſung des Osmaniſchen Reiches, von Rußland aus, droht Deutſchland eine grö⸗ ßere Gefahr als von uns!*)“— hier brach der Kai⸗ ſer ab.
„Ah, Monſieur Fouché,“ fragte er, ſich zu dieſem wendend,„nun haben wir ein Familienthema zu bear⸗ beiten— was iſt's mit der kleinen Italienerin auf der Iſola bella?
„Seine Hoheit, der Vice⸗König hat im erſten Mo⸗ mente nach dem Attentate auſ die geheiligte Perſon Eu⸗ rer Majeſtät entſchiedenen Proteſt gegen jede Berührung der jugendlichen Gräfin eingelegt,“ entgegnete der Po⸗
¹) Schreiben des Miniſters Talleyrand an den Staats⸗ kanzler Grafen Ludwig von Cobenzl in Wien, vom 5. Au⸗ guſt 1805.
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