Herr Martin.
Herr Martin war weder jung, noch alt, weder groß, noch klein, weder fett, noch mager, weder huͤbſch, noch haͤßlich. Herr Martin war, ſein Aeu⸗ keres betrefend, einer von den Alltagsmenſchen, welche, indem ſie jedermann zu gleichen ſcheinen, auch deshalb ſchwer bemerkt werden. Klug, ver⸗ ſchlagen, ſichren Blickes ſiel er darum weniger auf, weil er, aus Furcht jemandem wehe zu thun, ſelten ſagte, was er dachte; war er aber aufgelegt, ſo plauderte er gern und druͤckte ſich leicht und an⸗ genehm aus.
Schon in ſeinem Zoſten Jahre wußte er recht gut, daß ſich um eine Stelle oder Amt bewerben und dieſem Amte hernach gehörig gewachſen zu ſeyn, zwei ganz verſchiedene Dinge ſind. Ein Amt dient oft erſt recht, das NRichts ſeines Bewerbers (nachdem er es erhalten) zur Schau zu tragen,—
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