II
Streit zwiſchen ſo genannter Vernunft und Offenbarung und uͤber dasjenige, was weſent⸗ lich zum wahren Chriſtenthum gehoͤre, und was davon zu trennen ſey, die wiederhohlten Ver⸗ ſuche, welche man wagt, die Offenbarung in die Form der bloßen Vernunft umzuſchmelzen, mußten mich nothwendig beſorgt machen, wo⸗ hin dieſe Stuͤrme auch diejenigen treiben wuͤr⸗ den, die ich ſo gern fuͤr eine beſſere Welt, als
die jetzige, in welcher ſie leben, gluͤcklich zu wiſſen
wuͤnſchte. Da ich oft und gern, uͤber alle die Gegenſtaͤnde der Religion uͤber welche in unſern Zeiten, ſo viel geſchrieben und geſtritten wird, nachgedacht habe: ſo hielt ich es fuͤr Pflicht, die Reſultate meines Nachdenkens uͤber dieſe Gegenſtaͤnde zu ſammeln, und ſie denen, die ich liebte, vorzulegen. Dadurch glaubte ich ihnen einen Leitfaden ihrer reifern Jahre anzugeben, nach welchem ſie unter der Leitung ihres eigenen Urtheils, ihre eigenen religioͤſen Meynungen und Geſinnungen dereinſt prufen und berichtigen koͤnnen.
Mir daͤuchte, als ich dieſen Aufſatz nieder⸗ ſchrieb, daß er vielleicht auch jedem andern den⸗ kenden Chriſten, beſonders der denkenden chriſt⸗ lichen Jugend, nuͤtzlich ſeyn moͤchte, und daß jeder Chriſt, welcher wuͤnſchte aus feſter Ueber⸗ zeugung, ein aufrichtiger, treuer Bekenner der Lehre Chriſti zu ſeyn, durch manchen Gedanken dieſer Schrift, zu Pruͤfung der Lieblingsmeinun⸗ gen


