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Viele Tage klangen die Trauerglocken, viele Tage ſtrömte das Volk zu den Altären zu weinen und zu be⸗ ten, viele Tage lag die Königin in Schmerz zerfloſſen auf ihren Knieen im Dome zu St. Veit.
Zu der Klage um den König geſellte ſich im ganzen Lande Böhmen die Klage zahlloſer Väter und Mütter, Brüder und Schweſtern und Bräute um die Stützen ih⸗ res Alters, oder die Freude und Hoffnung ihres Lebens. Denn die Blüthe des böhmiſchen Volkes lag erſchlagen auf dem Schlachtfelde an der March, oder ſtauete ertrun⸗ ken die Fluthen dieſes Stromes.
Eine Königin in ſolchem Schmerz und ein Volk in ſolchem Leid ſollten der Welt heilig ſein, vor ihnen ſollten Rache und Haß und was ſonſt die feindliche Hand bewehrt, in frommer Scheu die Waffen ſenken.
Hatte König Otakar die Majeſtät des deutſchen Reiches beleidigt, ſein tragiſcher Tod hatte die Beleidi⸗ gung geſühnt, das Reich hatte genommen, was des Rei⸗ ches war, ein ſchuldloſer Knabe erbte die erledigte Krone Böhmens, und dem Sieger hätte es wohl angeſtanden, den Waiſen zu ſchützen, ſtatt ihn zu bekriegen. Aber Kai⸗ ſer Rudolf rückte in Mähren ein, ließ ſein Heer plün⸗ dern, ſengen und brennen und wehrloſes Landvolk zu Gefangenen machen. Da erſchraken die Bürger in den Städten und die Barone auf den Burgen, und ſie ſand⸗


