—
5
Sehnſucht gebffnet, ſie hatte Junglinge geſehen und mit einander verglichen: wurde der, den fremde Will⸗ kuhr ihr beſtimmte, dem geheimen Wunſche ihres Herzens entſprechen? wuͤrde ſie lieben können—— geliebt werden? Ihr Loos war geworfen, ach, wie wird es fallen!— In unſaͤglicher Unruhe ſtrebten Geiſt und Herz, es zu errathen.
Als Angela an der Hand ihres Vaters zu ihr trat und ſie kinblich freundlich begruͤßte, mußte Bian⸗ ca ihre Schoͤnheit bewundern, aber als ſie allein
mit ihr war und die erſten Worte uͤber die Aehnlich⸗ keit ihrer Lage und die bevorſtehende Veraͤnderung ihres Standes geſprochen wurden, erſtaunte ſie weit mehr uͤber einen Grad der Unſchuld und Unwiſſenheit,
den ſie bisher nicht fuͤr moglich gehalten, und von dem ſie nicht wußte, ob ſie ihn ehren oder belaͤcheln ſollte. Des andern Tages brachte eine vierrudrige Gondel im Fluge zwei Juͤnglinge an das Ufer; ſie betraten es mit hochklopfenden Herzen, und die Villa
in ihrem edlen Bau, umduftet von vielen tauſend
lumen, von dunkeln Laubgängen umgeben, duͤnkte ihnen ein Tempel zu ſeyn der Sottheit 6 ſe im Buſen trugen. Von einer Terraſſe ſah hernieder bas Maͤdchenbild, weiße Roſen in dem blonden Haar,
und auf den zarten Wangen zwei rothe Roſen, die
dennoch nicht höher gluhten, als bie Jůnglinge hin


