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Zweites Kapitel. Ein Abendſpaziergang, ein Abendgeſpräch, und was erfolgte.
Rainsford hatte ſich bei dem Feſte im Waldlande nicht ſehen laſſen; unter dem Vorwande, Vorbereitungen zu ſeinem Ueberzuge treffen zu wollen, war er in ſein neues Haus gegangen. Virginie, welche zwar ſeit der letzten unterredung mit ihm ziemlich gelaſſen erſchien, fühlte eine ſchwere Laſt auf ihrem Herzen und verfiel in jenen Gemüthszuſtand, welcher zu einſamem Nachdenken hin⸗ neigt. Eines Abends wandelte ſie das ufer des Fluſſes entlang, nicht, um ſich der erblühenden Reize des Früh⸗ lings oder der idylliſchen Schönheiten der Landſchaft zu erfreuen, ſondern um über vergangene Zeiten und über die verhüllte Zukunft nachzuſinnen. Die Zeit und die Ausſicht, welche ſich vor ihr ausbreitete, waren gleich einladend. An dem entgegengeſetzten Ufer des Fluſſes warfen die hohen, ſtolzen Abhänge dunkelfarbiger Felſen ihre tiefen Schatten auf den Schoos der klaren Wellen, welche hier in Folge der Ausdehnung des Bettes, ruhig in dem geräu⸗ migen Becken ſpielten. Die obere Linie dieſer unver⸗ gänglichen Wälle erhob ſich, von Virginia's Standpunkt geſehn, hoch in die Luft und jenſeits oder über ihm, war


