— 256=
Mein Freund gleicht dem Hirſch in des Wald's tiefem Grund, Wie die Kirſchbeer' ſo roth ſind Wange und Mund. Nachts, wenn ich ſchlafe, ſeh' ich ihn erſcheinen; Erwach' ich, ſo flieht er und ich muß weinen. Ich lieb' ihn— o wie lieb' ich ihn!
Doch ſeine Braut, ſeine Braut werd' ich nimmer ſein; Sein Herz iſt verſchenkt, doch iſt es nicht mein; Naht er mir, bin ich traurig und könnt' ihn vertreiben; Und iſt er fort, möcht' ich ihn bitten, zu bleiben.
Ich lieb' ihn— o wie lieb' ich ihn!
Als Chriſtina den Herzenszuſtand des indianiſchen Mädchens entdeckte, ſo minderte dies weder ihre Liebe für die angenommene Schweſter, noch ſchwächte es die dankbare Erinnerung an die Wohlthaten, welche dieſes gütige, zartſinnige Weſen ihr erzeigt hatte. Freilich mochte ſie Aouetti für keine ſehr gefährliche Nebenbuhlerin halten, ſonſt wären ihre Gefühle vielleicht einigermaßen verſchie⸗ den geweſen. Sei dem, wie ihm wolle, ſie erwiederte ihre Liebkoſungen und willfahrte ihrer Bitte, einige der Lieder zu ſingen, welche Königsmarke gern hörte, damit ſie dieſelben lerne und„ihm das Herz wegſinge,“ wie ſie ſich in ihrer bildlichen Sprache ausdrückte. Obgleich Chriſtina, wie wir die feſte Ueberzeugung haben, ſo groß⸗ müthig zu fühlen und zu handeln im Stande war, als dies je ein Weib vermochte, ſo wollen wir dennoch nicht ſagen, daß ihre Sympathie für Rehauge unerſchüttert geblieben wäre, oder ſich auf derſelben Höhe erhalten


