die Narbe an ſeinem Hals und die Warnungen der kraus⸗ köpfigen Bombie vergaß.
Ein Strom zärtlicher Regungen bemächtigte ſich dann ihres Herzens und wenn die Thränen ihr über die Wan⸗ gen floſſen und ſie das naſſe Auge wie ein Kind, das zu ſeinem Vater aufblickt und ihn um Schutz anfleht, zu ihm erhob, vergaß ſie manchmal, ihm zu wehren, ſie hin⸗ weg zu küſſen.
Der lange Finne kam dann und wann in das Wig⸗ wam, in welchem Chriſtina wohnte und wo ſeine Beſuche nicht ungern geſehen wurden, am wenigſten von der blau⸗ äugigen Schwedin und dem ſchwarzäugigen indianiſchen Mädchen, welches letztere nach einiger Zeit ihre Sprache hinreichend verſtehen lernte, um bei mannichfachen kleinen Gelegenheiten ein Wort einfließen zu laſſen. Mit beſon⸗ derm Eifer drang ſie häufig in Chriſtina, ſie zu lehren, wie das indianiſche Wort„Kikasia,« welches„ich liebe“ bedeutet, in ihrer Sprache ausgeſprochen werde.
Es dauerte in der That nicht lange, ſo entdeckten, oder vielmehr argwöhnten die ſanfte Chriſtina und Reh⸗ auge mit jenem tiefblickenden Inſtinkte ihres Geſchlechtes, daß ſie Nebenbuhlerinnen ſeien oder bald werden könnten. Wenigſtens war dies bei Chriſtina der Fall; denn Aouet⸗ ti's Unerfahrenheit in den Sitten und Gewohnheiten, welche von Seiten der Frauen der geſittigten Welt das Geſtändniß gewiſſer Gefühle hemmend zügeln, hielt ſie


