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Die Anhaͤnger von Ingres vergleichen ſich nicht, Delacroix's Nachahmer geben eben ſo wenig ihre Grund⸗ ſaͤtze auf; aber doch koͤnnt ihr mit dieſen beiden aͤußer⸗ ſten Partheien der Malerei in Frieden bleiben, wenn ihr den Nachkoͤmmlingen von Rafaels Nachkoͤmmling begreiflich macht, daß ihr in den Werken des Pinſels Farbe, Energie, Gluth, Originalitaͤt und leidenſchaft⸗ liches Leben liebt, ohne doch die Zeichnung zu verach⸗ ten und wenn ihr ihnen zum Beweiſe gebt, daß ihr die ſchoͤnen Improviſationen liebt, welche Eugen Delacroitx's freie Feder mit ſo viel Gluͤck des Abends bei Freundes⸗ Geplauder auf ein Brief⸗Couvert, auf das Marktbuch eurer Koͤchin, auf eine Viſitenkarte wirft; wenn ihr ih⸗ nen ſagt, daß ihr das eben liebt, weil ihr Michel An⸗ gelo liebt, weil ihr den ſchoͤnen Stil, den Adel, die Großartigkeit in Rafaels Zeichnung liebt. Die Ingri⸗ ſten werden euch am Ende Farben und Effekt geſtatten, wenn ihr euch die Muͤhe nehmt, ihnen zu beweiſen, daß ihr nicht blind fuͤr die Schoͤnheiten der Meiſter ſeid, welche mehr gezeichnet als colorirt haben. Von dieſer Seite alſo bin ich noch ziemlich ruhig.
Auch fuͤrchte ich mich nicht ſehr vor den Philoſo⸗ phen, obgleich, die Wahrheit zu reden, dieſe Freunde der Weisheit ſehr unumgaͤngliche Leute ſind, Chicaneurs uͤber Nichts und Alles, welche den Menſchen vom Gipfel ihrer Groͤße herab meſſen und ihn mit ſittſam unhoͤflicher Verachtung behandeln. Doch im ſchlimm⸗


