Teil eines Werkes 
5. Band (1832)
Entstehung
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Albertine erwachte zwei Stunden ſpaͤter mit reizen⸗ den Farben, und hatte auch nicht den Schatten einer Erinnerung ihres Schlummers; gleichwohl betrachtete ſie mich mit furchtſamern oder beredtern Blicken, denn das iſt daſſelbe. Ich habe ſie auch, nach den Vorſchrif⸗ ten der magnetiſchen Klugheit, in Unwiſſenheit uͤber ihren Somnamhulismus gelaſſen. Indiscretionen in ſolchem Falle ſind faſt immer gefaͤhrlich. Sie geben den Somnambulen Beſorgniß uͤber das, was ſie ge⸗ ſagt haben koͤnnen, ſtoͤren ihr Gehirn, ſchaden ihrer Iſolirung, indem ſie das Daſein des wachenden Zuſtan⸗ des in das ganz abgeſonderte Daſein des magnetiſchen Schlafs miſchen; endlich ſchwaͤchen ſie ihre Hellſehkraft und zerſtoͤren ſie oftmals.

Albertine weiß nicht, daß ſie ihr Geheimniß in mein Herz entſchluͤpfen laſſen, und mir iſt noch Alles gegenwaͤrtig, ich weiß noch Alles. Welchen Vortheil habe ich uͤber ſie! Fuͤrchte jedoch Nichts, reizendes Maͤdchen! Ich werde ihn nicht mißbrauchen, und wenn Dein Gluͤck von mir abhaͤngt, wirſt Du gluͤcklich ſein!

Und nun, Theuerſter, was ſagſt Du jetzt von mir? Beſcheidenheit bei Seite, iſt das nicht Tugend? Denn man muß die Dinge beim rechten Ramen nennen. Wie viel Maͤnner kennſt Du, welche das Geheimniß eines huͤbſchen Maͤdchens erhaſchen und eine huͤbſche Frau das Wort Rache ausſprechen hoͤren koͤnnen, und es ſo be⸗ nutzen werden wie ich? Und dann, ſprich, ob ich Dir