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„Soll ich Sie bald erwecken?“
„O, ich bin noch ſehr bewegt. War es Wirklich⸗ keit oder Taͤuſchung? Ich habe doch ſo klar geſehen, als ob ich dabei geweſen waͤre.(Hier legte ich meine Hand auf ihre Stirn.) Nicht doch, ich glaubte nur zu ſehen. Ja, es war reine Taͤuſchung. Gerechtigkeit des Himmels! Waͤr' es moͤglich, er, der beim Abſchiede von mir— doch hab ich— O, das iſt nicht wahr, nur— koͤnnt' ich mich vielleicht raͤchen. Guſtav in ſolchem Grade untreu! O ich Ungluͤckliche! Nein, nein, es kann nicht ſein, es iſt nicht!“—
„Schlafen Sie, ich beſchwoͤre Sie darum. Kraft meines Zaubers fordere ich es von Ihnen.“
„O, keinen Scherz mehr! Es ſteht nicht in Ihrer Macht, mich jetzt in Schlaf zu bringen. Ich will auf⸗ wachen und mich erinnern.“—
„Was das Letztere betrifft, nein!“ ſagte ich mit Kraft; „ich will, daß ſich das Alles aus Ihrem Geiſte verwiſche, wie ein eitler Traum; und weil Sie es wuͤnſchen, ſo erwachen Sie!“
So ſprechend, machte ich die gewoͤhnliche Ge⸗ behrde, das heißt, ich trennte lebhaft meine beiden Haͤnde vor dem Geſichte der Somnambulen und hob mehrmals meine Daumen uͤber ihren Augen in die Hoͤhe, ihr gleichſam befehlend, ſie zu oͤffnen, welches ſie auch bald, dieſelben reihend, that, denn ſie fuͤhlte ein leichtes Brennen daran. Dies verbannte ich, indem ich


