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aus den niedern arbeitenden Klaſſen eigen iſt. So viel von Mathieu Guichards Phyſiſchem.
Was das Moraliſche betrifft, wenn Mathieu uͤber⸗ haupt noch etwas Moraliſches hatte, ſo war Mathieu frech, hoͤhniſch, trotzig, unzuͤchtig, faul und gefraͤßig, tuͤckiſch und hinterliſtig, weil ihm die koͤrperliche Kraft abging; weder unglaͤubig, noch fromm, noch ſkeptiſch, ſondern verteufelt gleichguͤltig in Religionsſachen, und den Namen Gottes rief er nur auf eine ſo abſcheuliche Weiſe an, daß es beſſer geweſen waͤre, ihn gar nicht anzurufen. Aber deswegen muß man wahrhaftig Nichts auf das arme Kind haben; die erſten Worte, welche ihn ſein Vater Guichard, ein alter Kanonier, ſtammeln ge⸗ lehrt, waren die ſchrecklichſten Schwuͤre, welche man ſich nur denken kann. Das war die Erholung, die Freude des alten Soldaten; Abends nach vollbrachtem Tagewerk fand er ein Hauptvergnuͤgen darin, ſich neben die ausgeloͤſchte Schmiede zu ſetzen und Mathieu auf ſeine harte Lederſchuͤrze zu nehmen, wo er ſich dann wie ein Seliger ergoͤtzte, wahre Renegatenlaͤſterungen aus dem Munde des Kindes zu hoͤren, und ſeiner Frau, welche zuweilen vom Beten und der heiligen Jungfrau und dem Kindlein Jeſu zu reden wagte, antwortete: „Ich bin weder getauft, noch eingeſegnet, noch ſonſt etwas; ich habe Dich nur durch einen Civilakt gehei⸗ rathet, und will nicht, daß mein Sohn ein Pfaff oder Jeſuit werden ſoll!“


