Teil eines Werkes 
5. Band (1832)
Entstehung
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ich glaube, Sie irren ſich, es fehlen noch fuͤnf Mt. nuten!

Es iſt auch eine ungeſchicklichkeit, zur Unzeit zu denken. Es giebt ſolche Staarmaͤtze, die von ehelichem Mißgeſchick vor einem ungluͤcklichen Ehemanne reden, von Haͤßlichkeit vor einem Unhold, von Hoͤckern vor Buckligen, die gegen euch uͤber euern Stand her⸗ ziehen, die in eurer Gegenwart von euren Freunden und Verwandten, von euch ſelbſt vielleicht, lieblos reden, welche endlich, nicht minder kindiſch an Ma⸗ nieren, ſtets auf euren Fuͤßen herumtreten, euch ſtoßen und anrennen, und ſelten einen Gegenſtand von Werth beruͤhren, ohne ihm einigen Schaden zuzufuͤgen. Gott bewahre euch vor ſolchen Leuten, wie vor halbblinden Kegelſchiebern!

Außerordentliches Gedaͤchtniß iſt ein Seelen⸗Ge⸗ brechen, das zuweilen recht laͤſtig werden kann. Man trifft wirklich ſolche geiſtige Regiſtraturen, wo Alles hinein⸗, aber Nichts herausgeht, wo Alles, was man dort niederlegt, auf immerdar verſiegelt wird. Hier Jahreszahlen und Localitaͤten, dort Begebenheiten, Worte und Eigennamen. Aber gewoͤhnlich findet man auch weiter Nichts darin. Die Phantaſie erſtickt unter dieſer ungeheuern Laſt von Wichtigkeiten.

Ich hatte zum Mitſchuͤler einen vollkommenen Bdo⸗ tier mit niedriger Stirn und großen Augen, der ſeinen ganzen gradus ad Parnassum auswendig wußte, und