—
378
beluſtigte, wer hätte ein Recht, ſich Heut noch darüber zu beklagen?
Sei dem wie ihm wolle, die Gelehrten der damaligen Zeit kannten die Süßigkeiten der Freundſchaft beſſer, als es jetzt der Fall iſt. Die damaligen Memoiren zeigen uns, welchen Werth ſie darauf ſetzten, frühern Verhältniſſen treu zu bleiben. Wer ſich zuerſt den Pflichten entzogen hätte, die ſie auferlegen, würde ſich in den Augen Aller eines großen Unrechts ſchuldig gemacht haben. Daher wandten auch Einige ſo viele Mühe an, ſich gegen der⸗ gleichen zu vertheidigen. Dennoch aber ſprang das Epi⸗ gramm aus dem Dintenfaſſe, der Sarkasmus von den Lippen; aber in der Tiefe des Herzens wohnte Wohlwol⸗ len, und wenn man es nöthig hatte, ſeine Zuflucht dazu zu nehmen, ſuchte man es nicht vergebens. Dieſe Wider⸗ derſprüche ſind leicht aufzuklären. Die Schriftſteller leb⸗
ten damals mehr unter ſich. Als zerſtreute Mitglieder
einer und derſelben Familie behandelten ſie ſich auch als ſolche, und hatten ihre mehrfältigen Vereinigungspunkte, welche heut zu Tage ganz fehlen. Sie fanden ſich an den Tafeln der großen Herren, der Finaneiers, liebenswürdiger Frauen und manchmal auch von Staatsmännern zuſam⸗ men, wo ſie, einmal dazu verurtheilt, um jeden Preis Geiſt zu zeigen und ihn als baares Geld auszugeben, ſich nicht immer ſchonten. Wenn ein Witzwort zum Glücksfalle wird, wenn es wenigſtens eine Woche in der Hauptſtadt umlau⸗ fen und dann auf der Poſt durch die Provinz wandern


