Teil eines Werkes 
2. Band (1832)
Entstehung
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ziehenden Werken von Sainte Foix, Duclos, Chamfort und Mercier, ja ſelbſt von jenem Retif de la Bretonne finden, den man vielleicht wohl vor 40 Jahren verachten konnte, der aber jetzt, wenn man ſeine eben ſo bizarren als kühnen Darſtellungen mit denen der meiſten unſrer modernen Romanendichter iu Parallele ſtellen wollte, eine litterariſche Macht ſein würde. Der Hauptfehler dieſes Schriftſtellers iſt unſtreitig der, ſeine Gemälde aus Krei⸗ ſen aufgegriffen zu haben, von denen er keine Muſter hätte entlehnen ſollen. Allerdings fand im Schooße der vorneh⸗ men Geſellſchaft, als er ſie zu malen verſuchte, tiefe Ver⸗ dorbenheit Statt, da er aber nicht in dieſelbe eingeführt war, gab er ihr zu häßliche Geſtalten. Hat er ſich nicht in den Stockwerken geirrt, ſo könnte man ihm vorwerfen, nicht gut an den Thüren gehorcht oder durch die Schlüſ⸗ ſellöcher geguckt zu haben. Die unſittliche Spötterei jener .Epoche, an der ſich ſein kräftiger Pinſel verſucht, war al⸗ lerdings etwas ſehr Betrübendes, und zeigte der Aufmerk⸗ ſamkeit des Beobachters eine in den weſentlichſten Orga⸗ nen ihrer Exiſtenz verarmte Natur. Die Nation verklei⸗ nerte ſich ſelbſt, alles Höherſtehende ſtrebte nach der Tiefe, ſelbſt die Wiſſenſchaften nahmen, ob ſie gleich im Allge⸗ meinen betrieben wurden, dennoch dieſe Richtung. Wäre die Mittelklaſſe, durch Zuwachs an Aufklärung und Ver⸗ mögen gekräftigt, nicht an die Stelle der höhern getreten, hätte nicht eine eben ſo wohl finanzielle als politiſche um⸗ wälzung dieſes umwenden der Partheien begünſtigt, ſo

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