Teil eines Werkes 
2. Band (1832)
Entstehung
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die man ſchwer überſchreiten darf; aber es iſt leicht, ſie auf die vortheilhafteſte Weiſe auszulegen. Die geſelligen Kreiſe begnügen ſich mit dem kleinſten Vorwande, und verlangen weiter nichts, als ſich nachſichtig zeigen zu dür⸗ fen; Elodie hat aufgehört, Buhlerin zu ſein, ſie iſt von dem Augenblicke an Virtuoſin, wo es erlaubt iſt, ſie als eine ſolche zu betrachten, und man bemüht ſich, ihre vor⸗ maligen Schwächen als das Ergebniß eines für eine ver⸗ führeriſche Kunſt exaltirten Geiſtes anzuſehen, ob ſie gleich ihren erſten Ton nicht eher geſungen hat, als bis ſie den vollſtändigen Kurſus der Galanterie durchgemacht. Sie iſt eine Künſtlerin, damit iſt Alles geſagt, man muß nun nur noch an ihr Talent denken.

Viele Damen, welche Muſik bloß zum Vergnügen trei⸗ ben, ſind in dieſer Hinſicht Künſtlerinnen, und ich könnte Talente vom erſten Range anführen; aber man muß ver⸗ ſchwiegen ſein, um der Beſcheidenheit der Einen nicht zu nahe zu treten, und die Eigenliebe der Andern nicht zu beleidigen, wenn meine Litanei nicht zahlreich genug wäre. Auch Unterlaſſungsſünden muß man meiden.

Der Virtuos iſt glücklich in der Ausübung ſeiner Kunſt. Er hat allerdings phantaſtiſche Neigungen, aber ſie ſind faſt immer auf Wiſſenſchaften oder Künſte gerichtet. Der Eine möblirt ſein Zimmer mit gothiſchen Stühlen aus, hängt den Flamberg und die Tartſche an ſein Bett, Kü⸗ raſſe, Hellebarden, Helme und Panzer tapezieren ein Be⸗ hältniß, das ſein Licht durch Fenſter erhält, die aus den