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ſo freigebig darbietet, in ſtaunender Extaſe. Darauf be⸗ ſchränkt ſich aber der Triumph nicht. Am andern Mor⸗ gen kommen Bäcker, Fleiſcher und Kohlenlieferant, die geſtern Abends dem Siege der Madame beiwohnten, zu ihr, um ihre gewöhnliche Aufwartung zu machen, und bitten unt die Erlaubniß, aus der Küche in den Salon gehen zu dürfen, damit ſie das Vergnügen haben können, dem Herrn wegen der geheimen Vollkommenheiten ſeiner Ehehälfte ihr Kompliment zu machen. Dann findet ſich der Bar⸗ bier ein, ſticht, als ein Schönredner wie Figaro, dieſe. zu gemeinen Sprecher aus, und endet ſeine Anrede damit, daß er die Frau vom Hauſe mit der Suſanne im Bade, mit der Venus Kallipyga vergleicht. Ich weiß nicht, wie ſehr ein Ehemann über eine ſolche Apologie entzückt ſein muß.
Eine hübſche Frau hat ſich bereichert, ſie beſitzt alle Güter, alle Bequemlichkeiten des Lebens, man bewundert ihre Equipage, ſie glänzt in den Vorderlogen bei allen mo⸗ diſchen Vorſtellungen! Und doch möchte die Schöne gern in gewiſſe Kreiſe aufgenommen ſein, die ſie aber zurückwei⸗ ſen, ſie weiß wohl, weshalb. Elodie lernt Muſik, arbeitet mit Zimmermann für das Fortepiano, vertraut ihre Stimme Bordogni und Banderali an. Elodie wird eine Virtuoſin des zweiten Ranges, ſie ſingt in Konzerten, geht auf die Bretter, und das Theater wird für ſie ein Ort der Unver⸗ letzlichkeit. Alles iſt vergeſſen, Alles vergeben in dem Au⸗ genblicke, wo man, wenn man von Elodie ſpricht, ſagen kann: ſie iſt Künſtlerin. Die vornehme Welt hat Geſetze,


