Teil eines Werkes 
2. Band (1832)
Entstehung
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aber die Schauſpielunternehmer müßten auch nur ein ſol⸗ ches Abkommen begünſtigen, indem ſie die Künſtler paar⸗ weiſe engagirten, wie man Wagenpferde oder Kapaunen von Roquemaure verkauft. Dem iſt aber nicht ganz ſo. Neapel, Brüſſel braucht einen Tenor, einen Baſſiſten, wollen aber eine vom Publiko gern geſehene Sängerin behalten; auf der andern Seite ſchreien Mailand, Bordeaux, Marſeille, Rouen ganz gewaltig nach einer Prima donna, und weiſen alle Tenors und Barytons zurück, und wenn ſie das Talent eines Rubini und Lablache beſäßen. Dieſe Anträge wer⸗ den nun ſogleich unſerm ſingenden Paare von den Theater⸗ Korreſpondenten zu Füßen gelegt. Was ſollen nun unſere beiden Turteltäubchen anfangen, die noch Liebesduetts ſeuf⸗ zen? Von ihrer treuen Zuneigung fortgeriſſen und nicht achtend der Vortheile, die ſie nur durch ihre Trennung erkaufen könnten, werden ſie nach dem edlen Beiſpiele von Adolph und Clara die Engagementskontrakte zerreißen, die für ſie Scheidungsurtheile ſind. Da iſt nun ein Jahr ver⸗ loren: man kann nicht von der Liebe leben; auch hat nach zwölf Monaten die Zärtlichkeit nicht mehr ſo viel Allge⸗ walt; finanzielle Rückſichten ſiegen über die Macht des Ge⸗ fühls, und ſo entſchließen ſie ſich denn mit beiderſeitigem Einverſtändniſſe, Eins nach Marſeille, das Andere nach Amſterdam zu reiſen, indem ſie ſich Betheuerungen einer Liebe und Treue ohne Maaß und Ende zuſchwören. So⸗ mit iſt aber auch unſer liebendes Paar nach Süden und Norden verſchlagen, durch einen Zwiſchenraum von zwei

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