Teil eines Werkes 
2. Band (1832)
Entstehung
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im Kontrakte wird die ſein, daß Madame der Bühne ent⸗ ſagt. Da geht nun alſo ihr Talent verloren und ihr Name wird aus dem Verzeichniß der Künſtler und dem Almanach der Schauſpieler geſtrichen. Ganz Europa beſchäftigte ſich mit der Sängerin, die Zeitſchriften ſprachen von ihrem Aufenthalte in Neapel, Paris, Wien, ihren Triumphen in London und Pe⸗ tersburg; die Frau Gräfin, die Frau Herzogin, die Frau Krämerin gerathen in Wohlſtand, aber auch in Vergeſſenheit.

Heirathen ſie einen Kunſtgenoſſen, ſo iſt es noch ſchlim⸗ mer. Solche Verbindungen ſind ſowohl in Beziehung aufs Herz als aufs Vermögen ſelten glücklich. Die verführe⸗ riſchſte aller Künſte hat gewöhnlich keinen Reiz für den, der ſie ſeit langer Zeit ausübt. Ein Muſiker wird durch eine tragiſche Darſtellerin verführt werden; einen Maler, einen Dichter wird die Liebe verzehren, die ihnen eine Sängerin einflößt. Dies beweiſt die Erfahrung. Der Muſi⸗ kus kennt die Kunſtgriffe ſeines Handwerks zu gut; er weiß zu genau, durch welchen Mechanismus man dahin gelangt, den Enthuſiasmus, das Entzücken zu bewirken, um ſich, wie die Schaar der Dilettanten, durch dieſe Hülfsmittel fangen zu laſſen. Sucht ſich der Muſiker eine Sängerin, heirathet der dramatiſche Sänger eine Perſon ſeines Stan⸗ des, ſo will er ſeine Beſoldung mit der ſeiner Braut zu⸗ ſammenrechnen, um eine anſehnliche Summe herauszubrin⸗ gen. Zu dieſen Vortheilen, die er für poſitiv hält, ge⸗ ſellt er noch das Vergnügen, eine allerliebſte Frau zu haben, deren einziger Beſitzer er ſein ſoll. Das iſt vortrefflich!