Teil eines Werkes 
2. Band (1832)
Entstehung
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der Geier gerettet; aber ach! ich habe dadurch nur ihr un⸗ glück verzögern können; ſpäterhin iſt ſie dann in den Löwen⸗ rachen gerathen. Seiner Beſtimmung kann man nun ein⸗ mal nicht entgehen. 1

Ihr müßt jedoch nicht glauben, daß ſolche Fälle von dem Berufe einer dramatiſchen Sängerin ganz unzertrenn⸗ lich ſeien; ich habe ſchon oben geſagt, daß wenigſtens ein halbes Dutzend dagegen proteſtiren würden. Ein ausge⸗ zeichnetes Talent wird von Direktoren, denen der Vortheil ihrer Unternehmung mehr gilt, als die Intriguen des Toilettenſtübchens, mit dem größten Eifer aufgenommen, und wenn die äußere Schönheit der Sängerin nicht von der Art iſt, daß ſie Augen und Herz der Dilettanti allzu ſehr ergreift, ſo iſt es wahrſcheinlich, daß man ſie auf dem Wege der Tugend wird ſortwandeln laſſen, wenn ſie nun einmal dieſe Grille hat. Eine ſolche Zurückhaltung aber, . welche den Kouliſſengewohnheiten ſo ganz entgegen iſt, wird bald zum Gegenſtande des Skandals und unerſchöpflicher Neckereien werden, und die Bosheit wird ihr, wenn ſie ſie nicht bezweifeln kann, die beleidigendſten Urſachen unter⸗ ſchieben. Sie iſt ſittſam, weil ſie häßlich iſt. Sie iſt ſittſam, weil ſie ſo übertriebene Anſprüche macht, daß wenigſtens ein Lord über den Kanal kommen müßte, um eine ſolche Mitgift aufzuwiegen. Und doch führt man ſehr hübſche Sängerinnen an, bei denen dieſe ſeit zehn Jah⸗ ren ſtets gegen ſie abgeſchoſſene Pfeile ihren Ruf nicht er⸗ ſchüttert haben, ſo daß die theatraliſche Welt ſich endlich