301
lich in der Folge lund im Fall des Gelingens, voraus⸗ ahnen. Man wollte ſich nicht an ſeine Abſichten an⸗ ſchließen, aber man fürchtete ſich doch auch, ihn aufzu⸗ bringen. Bei einer ſo ſehr in Verlegenheit ſetzenden Lage fanden politiſche Geſpräche keinen Fortgang; ſie wären zu ernſthaft geweſen. Der Romantismus machte eine Diver⸗ ſion; aber die vornehme Welt gab ſich wenig mit Littera⸗ tur ab; Jeder ſah, wenn die Reihe an ihn kam, Her⸗ nani in der Loge der erſten Kammerjunker des Königs, aber Niemand ſprach davon. Bälle, Menſchengedränge, Routs wurden im Allgemeinen der Unterhaltung und den engern Kreiſen vorgezogen. Schon liefen heimlich finſtere Vorahnungen um; man wollte ſich durch Geräuſch be⸗ täuben. Das Vermögen war geſtiegen, der Luxus ward allgemein. Er beſtand nicht in dem Ausſtellen einer über⸗ ſchwänglichen Fülle, ſondern in der außerordentlichſten und übertriebenen Sorge für die kleinſten Bequemlichkeiten des Lebens. Man wetteiferte in häuslichen Einrichtungen, ſchö⸗ nen Pferden, allerliebſten Wagen. Auch die Tafel ward zur Hauptbeſchäftigung, weniger in Bezug auf eine überſpannte Feinheit der Genüſſe, als auf die größte Eleganz des Ge⸗ räths. Das Silberſervice des Kaiſerreichs war nicht mehr, ſich mit ſeinen griechiſchen Formen ſehen zu laſſen; um darſtellbar zu ſein, mußte es ſich à la Walter Scott klei⸗ den, mußte gothiſch⸗engliſch werden. Die Auswahl von Gedecken, Kryſtallgläſern, Bronzen ward zum Gegenſtande der Eigenliebe, und die Herren vom Hauſe dachten weit


