Teil eines Werkes 
2. Band (1832)
Entstehung
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Bücher, die wie durch ein Wunder den blutigen Vandalen von 1793 entronnen waren; ich habe ſie ſehen im Waſſer wirbeln, vom Strome mit fortgeriſſen werden, und zum großen Jubel der luſtigen Menge an den Pfeilern des Pont⸗ Neuf unterſinken! Dieſe Luſt, dieſes Gelächter war für den Glauben furchtbarer, als alles Blut der Rothmützen. Henkersknechte zerfleiſchten die Prieſter, unſre Pariſer Toll⸗ häusler thaten mehr als jene, ſie vernichteten den Glau⸗ ben! Die Henkersknechte nahmen ſich doch wenigſtens die Mühe, Atheiſten zu ſein! Wer gäbe ſich wohl heut zu

Tage noch die Mühe, ein Atheiſt zu ſein? Der Atheismus,

der ſich bis zu ſolchen Ausſchweifungen hinreißen läßt, iſt doch wenigſtens noch das Zeichen inneren Glaubens.

Seht alſo mein Volk, das lachend mehr Uebles thut, als alles ernſte Zürnen der frühern Revolution nicht ver⸗ mochte!

Das theologiſche Wiſſen verlor an dieſem Tage den letzten und größten Vorrath dogmatiſcher Bücher, der noch in Frankreich vorhanden war; alsdann aber, da es Mon⸗ tag vor Faſtnacht war, gingen die luſtigen Verwüſter, nach⸗ dem es kein einziges Bild mehr an den Wänden, kein ein⸗ ziges Meßgewand mehr in den Schränken und kein einziges Buch mehr in der Bibliothek gab, ganz fröhlich hin und verkleideten ſich für den Abendball, und unmöglicht wär's geweſen, unter der Maske der Harlekins oder Pierrots ſie von den andern Narren dieſes Abends zu unterſcheiden, ſo wenig Zorn lag in ihren Zerſtörungen, ſo ſehr waren