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hörde hat in Vorſchlag gebracht, es ganz abzutragen, dieſes ſo zierliche und reiche Denkmal, und Herr von Chateau⸗ briand hat von ſeinem hohen Ferney herab ſeine Stimme erſchallen laſſen müſſen, um dieſes chriſtliche Gebäude zu retten! Das verlohnt ſich doch wahrhaftig nicht der Mühe, für ein ſo Geringes, ſo furchtbar verwüſtet zu werden! Dieſer Tag des Zorns hat der Pariſer Kirche nicht wieder eingebracht, was er ihr gekoſtet hat. Dieſes war das erſte
Mal, wo die Kirche bei dieſem Spiel gegen den Zorn der
Völker verlor. Das kam aber daher, weil der Zorn des Pariſer Volkes gegen die Kirche nur ein augenblickliches launenhaftes Schmollen war. In der Achtung, die ihm gebührte, gekränkt(wir waren den drei Tagen noch ſehr nahe und das Volk noch ſehr reizbar), ſtürzte ſich das Volk in den Tempel, zerbrach Holz, Stein, Eiſen, Marmor, warf die Meubles des Geiſtlichen zum Fenſter hinaus, las deſſen Korreſpondenz laut vor, ſetzte ſich die Nachthäub⸗
chen der Dienſtmagd auf, verſchüttete die heilige Hoſtie,
ohne ſie zu ſehen, und ſelbſt ohne ſie mit einer beſondern Gottesläſterung zu beachten, und am andern Tage gab's daſſelbe Feſt im erzbiſchöflichen Pallaſte. Man hätte, wenn man die Bibliothek des Erzbiſchofs ſo in der Luft fliegen ſah, es eine zweite Bataille aus Boileau's Pulte nennen können, Dieſesmal aber war es eine nachtheilige Schlacht, ein faß eben ſo unerſetzlicher Verluſt, als der der Medail⸗ len, die man auf der Bibliothek geſtohlen hat! Ach! Alles ward leider zerſtört! Ich habe ſie geſehen, dieſe ſchönen


