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wind Naigeon, wie Diderot ihn in einer gottesverläugnen⸗ den Laune nannte.
Um gerecht zu ſein, dürfen wir nicht vergeſſen, daß dieſe Periode das Reich der lockern Poeſie, wie man ſie nannte, war, und daß, vom Quatrain des Marquis de Saint⸗Aulaire bis zur Beichte von Zulmé, eine Maſſe
von, in der That, geiſtreichen Abgeſchmacktheiten geſchaffen
wurde, welche, mit den Folianten der Eneyklopädie, die gewöhnlichen Zierden der Toiletten und Soupers ausmach⸗ ten. Aber man ſah damals noch nichts Aehnliches, weder von einer beſtimmten Richtung der Dichtkunſt, noch von einer abgeſonderten Sekte der Dichter. Jene leichte Gat⸗ tung war vielmehr der allgemeine Vereinigungspunkt aller Leute von Geiſt, der feinen Welt, des Studiums oder des Hofes, der Militairs, Philoſophen, Mathematiker und Abbee's. Die Vorleſungen dichteriſcher Arbeiten fanden in kleinen geſchloſſenen Kreiſen nicht Statt. Ein Autor von Trauerſpielen, wie z. B. Chabanon, Desmahis, Co⸗ lardeau, erhielt einen Salon nach der Mode, welcher Jedem aus der feinen Welt geöffnet war; dies war ein ſicheres Mitteh ſich, wenn man von gutem Aeußern und einigem Ruf war, bekannt zu machen; die Frauen lobten die Stücke, man ſprach mit einflußreichen Schauſpielern und Kammer⸗ herren darüber, und der junge, auf ſolche Weiſe beförderte Autor machte ſein Glück, wenn er deſſen würdig war. Aber es bedurfte der Beharrlichkeit und der Beobachtung herkömmlicher Formen. Eines Tages verſuchte der damals


