Teil eines Werkes 
2. Band (1832)
Entstehung
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116 bildeten ſich Dichter⸗Vereine, entſtanden Kunſtſchulen,

und man verband ſich für allerhand, mit entlehnten Din⸗

gen beladene Neuerungen. In Frankreich waren Ron⸗ ſard, Dubellay, Baif, die Häupter dieſer poetiſchen Ligue, welche, wenn gleich ſie in ihrer urſprünglichen Anlage ge⸗ ſcheitert war, doch ſehr viel Einfluß auf die Gründung unſerer klaſſiſchen Litteratur gehabt hat. Die Ueberliefe⸗ rungen dieſer gegenſeitigen Verehrung, dieſes abgöttiſchen Eifers, dieſer Freigebigkeit einer aus der Fülle von Enthu⸗ ſiasmus und Treuherzigkeit geſchöpften Bewunderung dauer⸗ ten bis auf Madame Seudéry fort und erloſchen im Hotel von Rambouillet. Der gute Geiſt, der darauf folgte, und welcher, Dank ſei es den genialen Dichtern des ſiebzehnten Jahrhunderts, auf unſere Litteratur ſehr bezeichnend und volksthümlich einwirkte, ließ einer dem Geſchmack ſo nach⸗ theiligen Mode ihr Recht geſchehen, und ſie wenigſtens nur in den untern Klaſſen unbekannter Reimer fortbeſtehen. Im achtzehnten Jahrhunderte half die Philoſophie, welche überall ſich Eingang verſchaffte, dieſen Sünden der Zärt⸗ lichkeit ab, welchen die Dichter unterworfen ſind, wenn man ſie ſich ſelbſt überläßt: ſie konfiscirte überdies für ihre eigene Rechnung alle lebendige Thätigkeit, allen Auf⸗ ſchwung, und wußte ſelbſt nicht alle Begierden und Nei⸗ gungen davon zu trennen. Im lächerlichen Sinne genom⸗ men, wäre das Pendant des Hotels von Rambouillet oder jener Plejaden⸗Dichter im achtzehnten Jahrhundert La⸗ mettrie, d'Argens und Naigeon geweſen, der kleine Sturm⸗