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lieber nicht hätten erſtehen ſollen, hervorgerufen wurden. Im Mittelalter bieten uns die Troubadours alle Vortheile, ſo wie alle Unannehmlichkeiten jener, ausſchließlich für die Dichtkunſt geſtifteten kleinen Geſellſchaften: frühreifer Glanz, leichter Blüthenſchmuck, zierlicher Sinnenrauſch und Flach⸗ heit, Eintönigkeit und Abgeſchmacktheit. In Italien, ſeit dem vierzehnten Jahrhunderte, unter Petrarch und Bo⸗ caccio, und ſpäter, im funſzehnten und ſechszehnten, ver⸗ einigten ſich die Dichter noch in halb poetiſchen, halb ga⸗ lanten Kreiſen, und der Gebrauch des Sonnets, dieſer eben ſo ſchwierigen als bequemen Dichtung, wurde allge⸗ mein. Wir müſſen jedenfalls bemerken, daß im vierzehn⸗ ten Jahrhunderte, zur Zeit des Petrarch und Bocaccio, zu dieſer Zeit der großen und ernſten Wiedergeburt, als es ſich darum handelte, das Alterthümliche wieder zu finden und eine neue litterariſche Zukunft zu gründen, der Zweck der Annäherung erhaben, das unumgängliche Mittel und das Unterpfand glücklicher Erfolge war, während im ſechs⸗ zehnten Jahrhunderte es nur auf eine ſchmeichelnde Er⸗ götzlichkeit des Herzens und des Geiſtes ankam, welche ohne Zweifel der Entwickelung gewiſſer zarter und krankhafter Einbildungskräfte, wie der des Taſſo, günſtig war, aber den Mißbräuchen der pedantiſchen Akademien, den Verderbt⸗ heiten der Guarini und Marini ſchon ſehr nahe kam. Das, was in Italien ſtatt gefunden hatte, wurde, durch eine raſche Nachahmung, auch bald in allen andern Litteraturen, in Spanien, England und Frankreich, eingeführt; überall


