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Kunſt widmeten, ſich aufſuchten, unter ſich Prüfungen anſtellten, und ſich, durch eine gegenſeitige, aufmerkſame und freundliche Abſchätzung, für eine weitausſehende und künftig ſehr zweifelhafte Oeffentlichkeit entſchädigen wollten. In Griechenland, als das Zeitalter der wahren großen Männer und der ſtrengen Kunſtſchönheit vorüber war, und man zu den tauſend Launen der Gnade und einer durch Nachahmung entarteten Originalität gelangte, überboten ſich die Dichter in ſolchen Verſammlungen. Indem ſie jene rohen militairiſchen Revolutionen, welche Griechen⸗ land, nach der Zeit Alexander's, umkehrten, flohen, ſah man ſie unter den friedlichen Flügeln der Ptolomäer Schutz ſuchen: da blühten und glänzten ſie einer in der andern Augen und vereinigten ſich zur berühmten Plejade. Und man glaube ja nicht, daß daraus nur Veränderliches und Falſches hervorgegangen wäre; der reizende Theokrit war darunter. In Rom, unter Auguſt und ſeinen Nachfolgern,
war es daſſelbe. Ooid hatte von Seythien aus manche
litterariſche Erfolge zu beklagen, worauf er ſo eitel war, und denen er vielleicht die unbeſonnenen Mittheilungen zum Opfer gebracht hatte, durch welche er in Ungnade fiel. Stacius, Silius und jene tauſend und ein Schriftſteller und Dichter von Rom, deren Namen man von Juvenal erfahren kann, nährten ſich von Vorleſungen, Vereinen und der lauen Atmoſphäre der damaligen Abendgeſellſchaf⸗ ten, wodurch einige furchtſame, dem Tode nahe Talente erhalten, und eine große Anzahl von mittelmäßigen, welche


