Teil eines Werkes 
2. Band (1832)
Entstehung
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übertriebenen Konvenienzen, keine Etikette, keine pomphaf⸗ ten Vorſtellungen: ganz einfache Höflichkeit, ganz gewöhn⸗ liche Rückſichten, und nicht mehr. Der Salon von Lafa⸗ hette iſt ein öffentlicher Salon, ein Ort allgemeiner Ver⸗ traulichkeit, wo Freunde ihre Freunde, Söhne ihre Väter, Reiſende ihre Kameraden einführen. Es kann kommen, wer will: zu jeder Stunde, nach Gefallen tritt er ein, und geht er wieder. Da vereinigen, vermiſchen und be⸗ grüßen ſich alle Nationen, alle Stände. Dahin ſendet ganz Frankreich, ganz Europa ſeine Deputationen; da hat ganz Amerika den Freund Waſhington's begrüßt, da bezei⸗ gen alle Freiſinnige, alle Proſkribirte der Welt, triumphi⸗ rend oder beſiegt, dem Prieſter der Freiheit ihre Achtung. Wer hätte wohl das gelehrte, dichteriſche, hiſtoriſche und militairiſche Paris kennen lernen wollen, und wäre in ſeinen Ort zurückgekehrt, ohne ſagen zu können: ich bin bei Lafayette geweſen? Wer möchte ſich wohl fürch⸗ ten, zu ihm zu gehen, aus Furcht, er ſei dort nicht an ſeinem Ort? der unredliche Mann, der ſchlechte Bürger vielleicht: aber jeder Andere? Fürſten und Herzöge, Mar⸗ quis, Grafen und Barone(Lafayette iſt Marquis vom alten Adel, ſeine Frau war eine Erbin der Noailles), gehet dreiſt zu ihm: Ihr werdet Euch nichts vergeben. Ihr Leute des Volks, Handwerker, Künſtler, junge Leute ohne Vermö⸗ gen, ohne Namen, Lafayette iſt der Mann des Volks, niemals unterſchreibt er anders als ganz kurzLafayette; gehet zu ihm, und fürchtet Euch nicht. Er wird Euch