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Man hat Euch nur wenig angeſehen, wenn Euer Name nicht berühmt iſt. Der Herr des Hauſes, welcher, nach der zuvorkommenden freundlichen Miene, eine gute Haut iſt, hat ſich Euch genähert, Euch die Hand gedrückt, und Euch zu dem Direktor des Salons, einem kleinen, blaſſen und mageren Herrn, mit leidender und trauriger Miene, geführt, welcher die Honneurs auf eine ſehr ausgezeichnete Weiſe zu machen verſteht.
Man muß es geſtehen: wer von einem Ball kommt, dem bietet dieſe Vereinigung den auffallendſten Kontraſt. Kein Lärmen in dieſem litterariſchen Boudoir; dicke und weiche Teppiche, prächtige Bärenfelle erſticken jedes Geräuſch bis zum Knarren des Stiefels oder dem Pfeifen des Schuhes. um einen wunderlich verzierten Theetiſch ſind auf Sopha's die Auserwählten des Salons gereiht, Maler, Dichter, Journaliſten, Gelehrte, Geſetzgeber und Rechtsbefliſſene, welche mit halblauter Stimme ſich unterhalten, oder, ohne ſich beſonders den Schein zu geben, einem Redakteur des Figaro zuhören, einer ziemlich großen, nachläſſig gekleideten, dünnen und eckigen Figur, die ſich, mit dem Rücken gegen die uhr, dem Kamingeſims in den Seiten und die Rock⸗ ſchöße in beiden Händen, ganz allein keck und dreiſt am Feuer wärmt. Es iſt ein Vergnügen, ihn ſprechen zu horen: denn er ſpricht in der That ſehr gut, und iſt ein verwegener Kritiker; er iſt ein feiner Spötter, und guter Kamerad, wie es noch keinen gab, für Jeden, der zu ſchrei⸗ ben wagt; er verkleinert, beſtreitet und widerlegt den größten
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