Teil eines Werkes 
2. Band (1832)
Entstehung
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von allen Seiten zum Vortheil der Bevorzugten einge⸗ ſchränkt hat, und wo in einem Lehnſtuhl die Wachſamkeit eines Gerichtsdieners einſchläft. Iſt man aber ein alter Deputirter, ein Staatsrath, oder hat man einen Freund im diplomatiſchen Corps, eine Bekanntſchaft im Königl. Hauſe, dann iſt man gut placirt, bequem, ohne ſich viel mehr zu beeilen, als der mit einem Nominal⸗Appel bedrohte De⸗ putirte. Fehlt das alles, ſo begnüge man ſich mit Billets für die zurückbehaltenen Tribünen, die man täglich an die Glieder der Geſellſchaft vertheilt, oder Morgens an der Thüre verkauft, indem man über den Polizei⸗Präfekten ſpottet. Dann aber beeile man ſich und verkürze das Früh⸗ ſtück; denn die Väter, Brüder, Vettern und Freunde der Redner ſind in Menge dort und machen die erſte Bank ſtrei⸗ tig. Ich rede hier nicht zu den Damen; ſie haben beſondere Plätze, in den beiden Ecken des Saales, der Verſammlung gegenüber, ſo daß ſie ſehen und geſehen werden. Die Quä⸗ ſtoren kennen ihren Ovid. 3 Die Blicke richten ſich jetzt auf die grünen Bänke, vor denen ein kleines Pult ſteht. Da es noch nicht 2 Uhr iſt und die Sitzung um 12 Uhr angeſetzt war, findet man dieſelben unbeſetzt und hat Zeit, das Mobiliar des Saales zu verzeichnen. Die Beſchreibung iſt nicht lang. Ein Lehn⸗ ſtuhl und ein Schreibepult für den Präſidenten, eine Fahne, zwei Wanduhren, die, ohne Zweifel durch den Einfluß des Locals, nie gleich gehen, zwölf Stühle, vier Seſſel und zwei Meſſagers. Dieſe letzten Möbel verdienen in⸗