Teil eines Werkes 
1. Band (1832)
Entstehung
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der Jugend und Schönheit, im Alter der Freude und des Glücks, im dreiundzwanzigſten Jahre, den Entſchluß zu ſterben, um ihr Land und die Menſchheit zu rächen: vor ihr dehnt ſich eine weitere Zukunft und größere Täuſchung; ſie hat die Hoffnung vor der Thür des Ungeheuers, zu dem ſie eintrat, gelaſſen.

Es iſt geſchehen, der Apoſtel des Mordes und Naubes, der unter ſeinen grauſamen Genoſſen als grauſam berühmte, der verruchte Marat ſtirbt unter der Hand einer Jungfrau, die unbeweglich neben dem Leichnam den Lohn ihrer hel⸗ denmüthigen Ergebung erwartet; ſie zögert nicht, denſelben zu empfangen; ihr Haupt fällt unter dem Beile des Hen⸗ kers, und Charlotte Corday läßt der Welt nur das erha⸗ bene Beiſpiel ihres Muthes und ihrer patriotiſchen Tu⸗ genden. Sie wird bald erlöſchen, dieſe Erinnerung, die unſterblich ſein ſollte; möge wenigſtens der Hauch der Ver⸗ läumdung ſie nicht trüben! Eitles Hoffen! Die Menſchen, ſtets bereit jede ſchöne Handlung zu verkleinern, zu deren Größe ihre Niedrigkeit ſich nicht empor zu ſchwingen ver⸗ mag, haben ſich nicht geſchämt, beleidigenden Verdacht über die Art der Bekanntſchaft zu verbreiten, in der dieß bewundrungswürdige Weib zu dem Deputirten Barbaroux ſtand. Louvet hat in ſeinen Memoiren die Ungereimtheit einer ſolchen Vorausſetzung bewieſen; aber der Undank des Volkes iſt deshalb beſonders zu haſſen, daß er das Bild des Wohlthäters verlöſcht, und nur zu oft die Flecken er⸗ hält, mit denen Neid und Dummheit daſſelbe bedeckt ha⸗