Teil eines Werkes 
1. Band (1832)
Entstehung
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Meine zarteſten und bitterſten Gedanken wenden ſich die⸗ ſen unterirdiſchen Gewölben zu.

1815 und die Conciergerie! Dieſe Eindrücke erloſchen 1831 durch die Laſt des Kummers nicht, den ich weder hervorzurufen, noch zu beſchreiben brauche; nicht durch die ſchmerzlichen Erfahrungen eines Lebens ohne Beſchützer, ohne zärtliche Bande; nicht durch die Zahl der Leiden und fehl⸗ geſchlagenen Hoffnungen, die wir unſer Erbtheil glauben, und die Aller Loos ſind; nicht durch funfzehn folgende ein⸗ ſame, bewegte oder ſchmerzvolle Jahre.

Ich wollte ihn wiederſehen, den Kerker, in dem ich zwei Monate verlebt; es war meiner Seele Bedürfniß, zu- rückzukehren in die vergangene Zeit, zu den verlorenen Gü⸗ tern, zu denen, die 1815 dort athmeten und die allein ich überlebte. O! wie viel Gräber reihen ſich in funfzehn Jah⸗ ren um den Menſchen! Das Gitter, hinter dem meine Mutter geweint hatte, ſollte von ihr reden, und die Fin⸗ ſterniß, welche Vertraute meiner furchtſamen und innigen Zärtlichkeit geweſen war, in meiner Seele die Quelle des Gefühls wieder beleben, die von der Welt übereiſt war, ohne verſiegt zu ſein. Ich irrte. Die Zeit ändert den Menſchen, und zerrüttet den Stein. Das Gefängniß von 1815 war verſchwunden; ich ſah die neue Conciergerie von 1831, und fand meinen Kerker nicht wieder; das berührte mich ſchmerzhaft.

Wo biſt du, finſtere und traurige Conciergerie, mit⸗ leidloſer Zeuge der ganzen Revolution; Treppe, die, gleich