Teil eines Werkes 
1. Band (1832)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

113

nicht achteten, zeigend, rief er ſeufzend aus:„Die un⸗ dankbaren! Zwanzig Jahre gehen ſie vorüber, ohne zu be⸗ merken, daß ich gelbe Stiefeln trage!“ Die Undankba⸗ ren! war mir ſtets ein erhabener Ausdruck; es liegt in demſelben ein Schmerz, ein Mißgeſchick der Koketterie, welches die Erinnerungen der Zeit, wo Garat die Mode angab, ſehr begreiflich machen.— Unſer armer Freund tröſtete ſich nicht über dieß Verrechnen des Ruhmes; er ſchmollte, und verließ uns, indem er mit Bitterkeit wie⸗ derholte:„die Undankbaren!“— Ich hatte durch einen Vertrauten Garat's erfahren, daß er ſeit einigen Jahren der Mlle. Duchamp*) nicht mehr die Rückſichten und Aufmerkſamkeit ſchenkte, welche dieſe Frau mit gutem Recht von ihm fordern konnte, die aus Liebe zur Muſik ihre Ju⸗ gend einem Greiſe geopfert hatte; ich machte ihm darüber lebhafte Vorwürfe. Garat vertheidigte ſich nicht über die Anklage, und ſagte, nachdem er einige Worte ohne Zuſam⸗ menhang geſtottert hatte, mit einer Art Wuth:„Die Unglückliche, ſie iſt taubz ich kann nicht mehr mit ihr ſingen.“ 3 Doch zum Saale des Feydeau zurück. Nach Garat kam Darcourt, ein alter Schauſpieler, der Maler und er⸗ ſter Komiker des Königs von Preußen geweſen war, und der, von vielen Thatſachen redend, mit Lafayette ſagen konnte:„Das habe ich vom großen Friedrich ſelbſt.“

*) Garat nannte ſie gewoͤhnlich Madame Contr' alto.