11²
genblicke ſchloß ſich zufällig Kreutzer an uns an. Es war herrliches Wetter, im Sommer, und eine große Menge Spatzierender anweſend. Wir plauderten, einen ruhigen Schritt gehend, deſſen Gewicht ich fühlte, da Garat ſich wie ein Blinder oder Gelähmter an meinen Arm hing. Worüber konnte ich mit Kreutzer und Garat reden? über
Oper, Muſik, Mozart und Gluck; der Stoff der Unterhal⸗
tung war ganz natürlich, und ich konnte zu viel lernen, um einen anderen herbei zu führen. Garat erzählte uns den ſonderbaren Umſtand aus dem Leben des Verfaſſers der Armida, da ihn eines Morgens Chéron, ein Schau⸗ ſpieler der Oper, beſuchte. Chéron, in Verwunderung ge⸗ ſetzt über ein Stück, das er ſingen ſollte, und bei dem Gluck alle ſeine Kraft geäußert hatte, dankte dem Verfaſ⸗ ſer für das Glück, das er ihm durch das Singen einer ſolchen Arie verſchaffte:„Ich faſſe dieſe Kraft nicht,“ ſagte der Sänger zum Muſiker. Gluck, der im Bette war, warf ſeine Decke fort, erhob ſich, und zeigte ſich ganz nackt, ohne ein Wort zu ſagen. Choron verneigte ſich tief, und ſprach nur die Worte:„Ol jetzt erkenne ich dieſe Kraft.“— Der Ton, mit dem Garat dieß ſagte, war traurig; ich hatte ihn dieſes komiſche Ereigniß mit einer Fröhlichkeit, zu der die Pantomime eines ſüdlichen Menſchen viel beitrug, erzählen hören. Ich fragte ihn, was ihm fehle:„Ihr ſeid nicht das, was Ihr ſagt, ir⸗ gend etwas beſchäftigt Euch.“— Er drückte mir heftig den Arm, und auf die Vorübergehenden, die auf uns


