183
ſo nahm man für ausgemacht an, daß ſie zu einer Verlobung geladen waren.
Ellen, deren Bruſt nach der letzten Unterredung mit Kuno ſchwer angegriffen war, hatte ein paar Wochen das Zimmer nicht verlaſſen. Auf alle Fälle würde ſie, ſelbſt wenn ſie geſund geweſen wäre, nicht den Muth gehabt haben, einem Akte anzuwohnen, der auf eine Andere die Liebe übertrug, welch' ihr Leben ausmachte.
Der Probſt allein reiste nach Näsby.
Ellen hatte mittelſt eines warmen Gebetes Troſt in dem Gedanken geſucht, daß ſie ihre Pflicht erfüllt, und in der Gewißheit, daß auch Kuno der ſeinigen Genüge gethan habe, ihr armes Herz zu beruhigen unternom⸗ men; aber vergebens. Und welche Frau ſollte es wohl wagen, den Stab über ſie zu brechen, wenn ſie, wie wir geſtehen müſſen, trotz all dem von einem ſo tiefen Kummer, von, einem ſo heftigen Schmerz beherrſcht wurde, daß ihr Seelenzuſtand ſo ziemlich einem hohen Grad von Verzweiflung glich.— Doch wir wollen dabei nicht länger verweilen.— Ellen verſchloß den Kummer in ihrer Bruſt; warum ſollten wir dieſe Miſchung von Stärke und Schwäche aufdecken, welche ſo oft in den edelſten Seelen ſich vereint findet?
Der Probſt kehrte ſpät am Abend nach Hauſe zurück.— Den folgenden Morgen war Ellen ſo matt, daß ſie nicht zum Frühſtück hinuntergehen konnte. Als es vorüber war, kam Fridolf mit freudeſtrahlen⸗ dem Angeſicht herauf.
„Nun, Ellen, weißt Du, mit wem Fräulein Granſtjöld ſich verlobte?“
„Fridolf, wozu dieſer grauſame Hohn?“


