nicht mißverſtehn. Ich ehre jede Abſicht meiner Obern und hoffe ihnen nicht zu nah damit zu treten, daß ich zu Duldung und Gehorſam Euch ermahnte.
O, bereut nicht, edler Mann, was Euer menſchlich Herz Euch ſagen ließ, rief kindlich zärtlich hier Maria. Ihr habt genug geſagt. Kann ich auch den Grund von dieſem Verfahren nicht erkennen, ſo weiß ich doch die Abſicht und will mich wahren, mit Gottes Bei⸗ ſtand, obwohl ich niemals abſichtlich zu täuſchen gelernt, ſondern es ſtets verſchmaͤht habe. Ich will Gott bitten, daß er mir eingebe, was noͤthig iſt, die Feinde hier zu taͤuſchen; denn Freiheit iſt ſo ſuͤß, und jenſeits dieſer Mauern lebt noch ſo manche heitere Hoffnung. Ach, helft mir ſie erringen, und glaubt mir die ſchoͤne Welt, die Gottes Offenbarung war, ſie iſt nicht ſuͤndig, und Suͤnde nur iſt, was ſie von Gottes Ebenbild trennt.
Thräͤnen floſſen auf die Hand des Prieſters, die Maria mit den ihrigen feſt umſchloſſen hatte, und ſo lebensvoll, ſo uͤberzeugt ſprach ſie ihm zu, daß es faſt ſchien, als habe ſie vielmehr das Werk der Bekehrung an ihm verſucht und ſei weiter darin vorgedrungen, als mit ſeinem Berufe ſich vertragen wolle; denn das niedergeſchlagene Auge konnte nicht ganz verbergen, was ſeine ausdrucksvollen Zuͤge von innerem Widerſpruch und tiefer Ruͤhrung ſagten.


