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zagend erſchließenden Roſenknoſpe gleich, hereintrat. Klein von Geſtalt, die Haut weiß und zart und das freundliche unſchuldige Geſicht, das noch alle Weich⸗ heit des Kindes zeigte, von blonden Löckchen umrahmt, war ſie keineswegs eine blendende Schönheit, aber in ihrem ganzen Weſen ſprach ſich ſo viel Reinheit und frommer Sinn, Anmuth und Zierlichkeit aus, daß ſie beſonders hier in der rußigen Werkſtatt unter den rauheſten Männern des Handwerkes einen wunder⸗ baren Eindruck machte.
„Da iſt Jungfrau Jerta, des Meiſters Töchter⸗ lein!“ ſagte der Geſelle zu dem Rathsherrn.
„Das kleine Ding iſt's?“ rief der Ritter, brach in ein wieherndes Gelächter aus— und weil er an die wuchtigen Hämmer der Plattner denken mochte, entfernte er ſich eilends.
Der Rathsherr aber trat mit freundlichem Schmunzeln näher und hatte eben ſeine Anrede im ſüßeſten Tone mit„Mein liebes Kind!—“ begonnen — als Jerta zitternd zurückwich und ganz beſtürzt über den ungewohnten Empfang, der ihr überhaupt hier ward, zu den Geſellen ſagte:„Um Gottes Willen ſpringe Einer zum Bader, dem Vater iſt ſehr ſchlecht und Einer komme mit hinüber, denn ich glaube er
1661. XvIM. Die Schultheißentöchter von Rürnberg 1. 14


