202
Werk gefördert wird— ſo mag wohl Niemand ahnen, daß Ihr um Eurer Schweſter willen kommt— und es kann doch vielleicht gut ſein für die Ruhe zweier Menſchen— ſie wiſſen doch im Nothfall, wem ſie ihre wichtigſten Botſchaften anvertrauen dürfen!“
Iſolde antwortete mit leuchtenden Augen:„Wenn Ihr mir das geſtattet, ſo ſei es wie Ihr ſagt— und nun lebt wohl und ſchafft in neuer Begeiſterung wei⸗ ter für die Unſterblichkeit, nachdem Ihr einmal be⸗ helligt worden mit den Intereſſen des alltäglichen Lebens.“
Sie reichte ihm noch einmal die kleine Hand— er faßte ſie diesmal nur mit zwei Fingern und entließ ſie mit ſtummer Verneigung.
Iſolde hüllte ſich in ihren Schleier und ging. Nie⸗ mand ſah die Röthe ihrer Wangen, Niemand das heftige Wogen ihrer Bruſt—„Eliſabeth's Nach⸗ folgerin“ hatte er ſie genannt— freilich war ſie eine Schutzpatronin der Kunſt, aber ſie war auch die Hei⸗ lige von Ulrich's Herzen— o gewiß, er hatte jetzt nicht daran gedacht— und dennoch überlief es Iſolde bald glühend heiß, bald eiskalt, bald war ihr, als vermöge ſie keinen Schritt weiter zu gehen, bald wieder als wandle ſie mit Flügeln.
„Um der Ruhe zweier Menſchen willen,“ hatte


