Teil eines Werkes 
9. Band, Die Frauen von Neidschütz : Novelle : 2. Band (1832)
Entstehung
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hatte, einige Zeit ſinnend, das ſorgenſchwere Haupt auf den Arm geſtützt; dann erhob ſie ſich plötz⸗ lich, wie Jemand, der einen feſten Entſchluß gefaſſt hat nach reiflichem Erwägen, und ſchritt dem Ausgange zu. Alle ihre Verſuche, bis zum Kurfürſten zu dringen, waren bis jetzt fruchtlos geweſen; ſie wollte den letzten machen, uner⸗ ſchrockener der Gewalt die Gewalt entgegenſetzend; ſie ſtand im Begriff, ihre Diener zu verſammeln, damit ſie durch dieſe den Eingang in das Kran⸗ kenzimmer erzwinge; hoffte, einmal zu Jo⸗ hann Georg gelangt, fände ſie ihn auch ſterbend, die letzten Augenblicke noch zum Schaden der Geg⸗ ner zu benutzen und zum eigenen Vorctheil.

Aber noch hatte ſie die Thür nicht erreicht, als Herr Vizthum von Eckſtedt in derſelben ſich zeigte.

Unter allen Angeſichtern am Dresdener Hofe waren wenige der Dame verhaſſter, als das ihres Vetters, und der ungewohnte Ernſt, der jetzt auf ihm zu bemerken war, genügte nicht) es ihr er⸗ träglicher zu machen. Wenig gewohnt, ihre Em⸗ pfindungen zu verbergen, und mit einem über⸗ muth, den das Ungemach, ſtatt ihn zu dämpfen, noch geſteigert hatte, fragte ſie ihn unhold genug: