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ſo conveniret es doch, hier und da ſelbe ſcheinbar in den Hintergrund zu ſtellen, geſchehe es auch nur, daß man deſto mehr capable ſei, werkthä⸗ tige Beweiſe derſelben zu geben.
Die Matrone warf ſchweigend einen halb ſtrengen, halb ſpottenden Blick auf ihren Schütz⸗ ling; der Herr von Seckendorf aber, welcher, bekannt mit der Gemüthsart der Dame, das Eintreten einer unangenehmen Scene befürchtete, ſuchte derſelben mit ſanftem Schmeichelworte vor⸗ zubeugen. Gewißlich— ſprach er— macht es dem caractère des Kurfürſten ungemeine Ehre, daß Derſelbe fort und fort denen sentimens an⸗ hänget, welche ihren Urſprung in früher Jugend⸗ zeit genommen, obwohl ſeitdem Dero fürſtliches Herz mit anderen gleichſam überfüllet iſt, welche ge⸗ meiniglich die nebenſtehenden zu abſorbiren pfle⸗ gen. Noch mehr gereichet es aber dem verehr⸗ lichen Gegenſtande ſolch letzterer sentimens zu Preis und Ruhme, daß er ohne Jalouſie ſolche Affection wahrnimmt, welche freilich keine an⸗ dere iſt, als eine brüderliche.
Der Sinn dieſer Worte und der Blick, wel⸗ cher ſie begleitete, waren an die Gräfinn von
Rochlitz gerichtet, und der fränkiſche Edelmann Die Frauen v. Neidſchütz. 1 Bd. 18


