3
—
197
wirrung. Wie ruhig, wie gelaſſen war ſie dagegen! Nur die Augen begegneten den ſeinigen mit einem bittenden Blick; aber keine Scheu, keine Verlegenheit malte ſich auf dem ſchönen, blaſſen Geſichte. Das Männerherz ſchmolz bei dem Anblicke ſo holder, reiner Unſchuld.„Ja, mein Kind,“ ſagte er,„ich habe es geſagt— und dies Haus und Alles was darin iſt ſteht zu Ihrer Verfügung. Sie ſollen hier bleiben, wenn Sie es wünſchen,— Sie ſollen ganz nach Ihrem Belieben handeln. Ich bin tief betrübt, daß Sie unglücklich ſind, wie Sie ſagen. Haben Sie Vertrauen zu mir! Ich will
Alles für Sie thun, Alles, wie— wie für mein eigenes
Kind!“
„Ich danke Ihnen,“ ſagte ſie ſanft,„Sie waren immer ſo gütig gegen mich,“ und darauf verſank ſie eine Weile in ein träumeriſches Schweigen. Endlich hob ſie
wieder anz „Ich habe Ihnen ſo viel zu erzählen, daß ich n weiß, wo ich anfangen ſoll——“
„So ſagen Sie mir nur zuerſt, weshalb Sie das Haus Ihrer Tante verlaſſen haben?“ frug er.
Ein leiſes Roth flog über ihr Geſicht.„Das kommt zuletzt,“ ſagte ſie;„Sie würden das gar nicht verſtehen, wenn Sie das Andere nicht wüßten. Frederick wohnt wieder bei uns wie ſonſt, und geſtern Abend da— da


