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Die Leidenschaften : eine Erzählung / von Marie Sophie Schwartz ; aus dem Schwedischen von Dr. Otto gen. Reventkow
Entstehung
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Ja, heute Abend ziehen Onkel und e hin⸗ aus nach dem Thiergarten, antwortete die andere, die höchſtens ſiebzehn Jahre alt war. Aber ihr Aeuße⸗ res verdient eine nähere Beſchreibung. Auch ſie war von hohem Wuchs, aber außerordentlich ſchlank. Das Geſicht vom feinſten Oval zeichnete ſich durch eine hohe, gewölbte und breite Stirne, ſowie durch ein Paar große dunkle Augen aus. Die Farbe derſelben konnte man jedoch nicht näher beſtimmen, denn ſie waren weder ſchwarz, braun oder blau, ſondern ſpiegelten wech⸗ ſe lweiſe alle dieſe Farben wieder; aber der Ausdruck in ihnen enthielt eine ganze Welt von noch ſchlum⸗ mernden Gefühlen. Die Naſe war fein und gerade; der Mundkl ein, mit ſchwellenden purpurrothen Lippen, und zeigte zwei Reihen hübſcher weißer Zähne. Die Haut war rein und weiß wie Alabaſter, aber von jener matten Bläſſe, welche nicht Kränklichkeit, ſondern ein heroiſches Temperament andeutet. Dieſe regel⸗ mäßigen Züge wurden von einer Fülle rabenſchwar⸗ zer Locken eingefaßt. Im Geſichtsausdruck lag etwas Veränderliches und Launiſches, welcher es immer in einem neuen und reizenden Lichte erſcheinen ließ.

Fügt man noch hinzu, daß Hände, Füße, Hals und Schultern wie nach einer Antike geformt waren, ſo muß ſie ſchön geweſen ſein, wie der Schöpfer ſich das Urbild des Weibes dachte, damit dieſes durch ſeine Reize den Mann feſſeln konnte.

Laſſen Sie uns das unterbrochene Geſpräch

wieder aufnehmen.

Aber, liebe Thorä, fragte die uerwie iſt er in Tante's Haus gekommen?