41⁰
lich mit ihrem Lob. Beim Clavierſpielen habe ich mich auch ſchon oft beklagt, daß ſie nicht wahrheitsliebend iſt: wenn wir aus dem Tact kommen, iſt ſie gleich bei der Hand zu behaupten, ſie habe ſich wahrſcheinlich verzählt; und wenn ich zu auffallend der Schuldige bin, verſichert ſie, ich habe eine beſonders ſchwere Stelle, ſie hätte langſamer ſpielen müſſen. Ich habe mir aber vorgenommen, mir das ernſtlich zu verbitten, man wird endlich ganz konfus. Wenn ſie nun wirklich falſch ſpielt und die Schuld hat, dann fürcht ich doch immer, ſie ſagt nur ſo, und ich komme nie zu meinem Recht.— Da haben wir es, ſagte der Groß⸗ papa, jetzt merke ich, daß ich nicht allein eine kluge Frau habe.— Aber jetzt merke ich, fuhr Kadden fort, daß es Alles Abſicht war; denn heute hat ſie mir offen den Vor⸗ ſchlag gemacht, wir wollten uns gegenſeitig nur loben.— Nein, verſicherte Eliſabeth erröthend, ich habe gar nichts beabſichtigt, ich habe immer nur gethan, was mir gerade am liebſten war zu thun, und der Gedanke, daß wir uns lieber gegenſeitig nur loben wollen, iſt mir auch heute zum erſten Mal eingefallen.— Der Gedanke iſt ſo übel nicht, ſagte der Großpapa.— Ich habe doch Recht, fuhr Eliſa⸗ beth zum Großpapa gewandt, ſcherzend fort: Männer kön⸗ nen keine Vorwürfe vertragen; ja, wenn ſie unfreundlich ſind, und man ſagt es, ſo wird die Sache gewöhnlich be⸗ denklicher.— Lieschen! warnte Kadden.— Nein, beru⸗ higte ihn der Großvater, jetzt iſt ſie im vollen Rechte: ſie ſpricht in allgemeinen Bemerkungen, wer ſich nicht getroffen


