XV. Kunſtfreunde.
Ein junger Mann, liebe Frau, der gerne von ſich ſelbſt reden hört und in einer Minute mehr ſagt, als er in einem Monat ver⸗ antworten kann.
Shakeſpeare.
In einem Kaffee nahe beim Opernhaus verſammelte ſich eines Abends nach dem Schauſpiel in einem der inneren Zimmer eine Coterie von Freunden. Sie be⸗ ſtand aus ungefähr einem Dutzend älterer und jüngerer Elegants, worunter mehrere feſhionable Literaten und Journaliſten, ſämmtlich Perſonen, welche ſich die Miene ſcharfſinniger Kritiker gaben und mit großen Prätentio⸗ nen als Kunſtfreunde gelten wollten.
Das Geſpräch war bereits in vollem Gang.
„Nun, meine Herren, was ſagen Sie von dem heutigen Schauſpiel 2.
„Es war vortrefflich.“
„Ein höchſt intereſſanter Abend.“
„Ich hatte einen ſchlechten Platz. Zu meiner Rechten ſaß eine alte Plaudertaſche von Tante und links ein halbblinder Onkel. Sie ließ mir mit ihren Reſlerionen und er mit ſeinen Fragen keine Ruhe. Ich war in meinem Behagen geſtört, und wenn ich nicht in guter Gin Funke. II. 1


