Teil eines Werkes 
3. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

nicht ſo bald. Es ſchien, als ob dieſer Abend die lange und ſchwere Arbeit ſeines Lebens zu einer Kriſis gebracht habe, in der die ſtärkſte Natur zu⸗ ſammenbricht oder vor der haarbreiten Nähe des Falles mit dem Bewußtſein erzittert mit dem furchtbaren Bewußtſein, daß er ſelbſt mit dem allgemeinen Falle untergehen müſſe. Sein Geſicht war verfallen, ſeine Bewegungen unruhig und ge⸗ reizt, bei jedem Laut ſchreckte er auf; zuweilen ver⸗ rieth ein heftiges Wort, oder eine Verdrießlichkeit bei Kleinigkeiten, wie viel ihm ſeine Selbſtüberwin⸗ dung koſtete. Urſula, die am leichteſten Erregbare von Beiden, ward an dieſem Abende ſanft und geduldig. Sie beobachtete ihn weder, noch quälte ſie ihn mit Fragen vernünftig wie ſie war, ſchien ſie mit ihrer Arbeit beſchäftigt, und wenn ſie ſprach, war es über unbedeutende Gegenſtände, damit er ihre Angſt ſo wenig wie möglich bemerke. Er fühlte es ihr aber dennoch an.

Nein, ängſtige Dich nicht, ich bin nicht krank, mein Kopf thut mir nur weh. So laß mich hier wie die Kinder ruhen.

Seine Frau rückte ihm näher, ſo daß er den Kopf an ihre Schulter lehnen konnte; dort fand das arme müde Haupt Ruhe und verlor nach und nach den herben ſchmerzlichen Ausdruck ſeines Geſichtes,