Teil eines Werkes 
1. Band (1860)
Entstehung
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Jahren ein ſelten ernſtes, mageres Antlitz, und es wird mir leicht, die Erſcheinung mir und dem Leſer zurückzurufen, obgleich mehr denn fünfzig Jahre ſeit⸗ dem verfloſſen ſind.

Braune, tiefliegende Augen, mit ſtarken Augen⸗ brauen, die Raſe hatte nichts Bemerkenswerthes, dagegen lagen die fein geſchweiften Lippen feſt und geſchloſſen aufeinander, und das ſtarke, ſcharf aus⸗ laufende Kinn gehörte zu denjenigen, welche einem Geſichte Charakter und Entſchloſſenheit verleihen, ja, ohne welches ſelbſt das ſchönſte Antlitz das Gefühl eines Mangels zurückläßt.

Wie ich ſchon vorher bemerkte, war der Knabe groß und kräftig gebaut, und ich armes ſchwächli⸗ ches Weſen, wie hoch ſchätzte ich körperliche Kräfte! Alles in ihm zeigte das, was ich nicht beſaß: ſeine muskulöſen Glieder, ſein breiter, feſter Schulterbau, die geſunde Farbe ſeiner faſt magern Wangen, ja ſelbſt die vollen Locken ſeines glänzenden ſtarken Haares. S

So ſtand er als Hauptperſon eines Gemäldes da, das mir heute noch ſo klar vor Augen ſteht als hätte ich es geſtern erſt geſehen; die kleine ſchmutzige Gaſſe, von der einen Seite in die Hauptſtraße mün⸗ dend und am andern Ende einen Blick auf grüne Felder gewährend, die offenen Hausthüren, aus denen